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Jewish Touch

Samstag, 24.11.18, 19.00 Uhr
Theater Marl

Jewish Touch: Eldering Ensemble


Simon Monger, Violine * Matthias Buchholz, Viola
Jeanette Gier Violoncello * Florence Millet, Klavier

“Perspektiven des Lebens”

Johannes Brahms (1833 - 1897)
Quartett in c-Moll op. 60
für Klavier, Violine, Viola und Violoncello

Gideon Klein (1919 - 1945)
Trio für Violine, Viola und
Violoncello

PAUSE

Erich Wolfgang Korngold (1897 - 1957)
Trio für Violine, Violoncello und Klavier
Op. 1  D-Dur (1909/10)

Eldering Ensemble

„Chamber music with Joy" (General Anzeiger Bonn) wird den Mitgliedern des Eldering Ensembles von Presse wie Publikum gleichermaßen attestiert. Benannt nach Bram Eldering, dem bekannten Geiger, Kammermusiker und Pädagogen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, vereint das Ensemble in seinem Repertoire drei gleichermaßen anspruchsvolle Disziplinen der Kammermusik – Klaviertrio, Streichtrio und Klavierquartett. Die individuellen und abwechslungsreichen Programme des Ensembles schaffen ein ausgewogenes Verhältnis von Spannung, Überraschung und Kontrast. Die Interpretationen faszinieren durch musikalische Spontanität, Klarheit und klangliche Eleganz. Eckard Heiligers-Trio Jean Paul und Hatto Beyerle vom Alban Berg Quartett wurden zu prägenden Mentoren. Seine Studien vervollkommnete das Eldering Ensemble bei Raphael Oleg, Johannes Goritzki und Hariolf Schlichtig. Das Eldering Ensemble konzertierte auf dem Festival Ticino Musica, dem Internationalen Beethoven Fest Bonn, dem Konzerthaus Dortmund und war Ensemble in Residence beim Victorian College of the Arts, Melbourne und dem Conservatorium of Music Hobart, Australien. Regelmäßig ist es in Kammermusikreihen in Deutschland und der Schweiz zu hören. Einladungen zu Kammermusikfestivals nach Australien und Livemitschnitte für 3MBS, ABC Classic Radio und WDR3 kommen hinzu. Die neue CD ‚Reiselust‘ wurde vom Klassik Magazin Pizzicato mit 5 Sternen bewertet und von Rundfunk und Presse hoch gelobt.

Matthias Buchholz studierte in Hamburg, Cincinnati, Detmold und am Curtis Institute of Music in Philadelphia. Zu seinen Lehrern zählten Hirofumi Fukai, Bruno Giuranna, Michael Tree und Karen Tuttle. Musikalische Impulse erhielt er durch die Arbeit mit Felix Galimir, Alexander Schneider und dem LaSalle-Quartett. Seit 1976 konzertiert er in den wichtigen europäischen Metropolen, in den USA und Kanada, in Südamerika und im Fernen Osten. Er war Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs Bonn 1978, des Coleman Competition in Los Angeles 1981 sowie im Internationalen Musikwettbewerb Budapest 1984. 1990 wurde er als Professor für Bratsche an die Kölner Musikhochschule wurde und leitete seither Meisterkurse in Taiwan, Japan

Florence Millet ist als Konzertpianistin in Europa, Amerika und China zu Gast und ist mit  international renommierten  Orchestern aufgetreten. Sie hat mit Dirigenten wie Charles Dutoit, Pierre Boulez, David Robertson, Mario Bernardi und Jonathan Darlington zusammen gearbeitet. Als Kammermusikerin zählen die Quartette Thibilissi, Martfeld, Camerata, Miami String Quartet, Quatuor Dane zu ihren Partnern. Die mit Preisen beim William Kappel- und Bösendorfer Empire-Wettbewerb ausgezeichnete Pianistin hat sowohl das große Repertoire der Klavierliteratur, als auch zeitgenössische Musik auf CD eingespielt. Florence Millet absolvierte ihr Studium am Conservatoire National Supérieur de Paris mit höchsten Auszeichnungen und legte ihren Master und Doktor in Musical Arts an der State University of New York unter der Leitung von Gilbert Kalish und Charles Rosen ab. Weitere bedeutende Anregungen erhielt sie von Paul Badura Skoda, Leon Fleisher und Peter Serkin. Vor dreißig Jahren gründete sie das Lions Gate Trio, das im Tanglewood Festival, an den Universitäten Greensboro, NC, Yale und West Hartford, Connecticut als Ensemble in Residence beheimatet wurde und pflegt seit vielen Jahren eine intensive Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten wie etwa Elliott Carter, Hans Werner Henze, Luciano Berio, Johannes Schöllhorn, Philippe Manoury, Jorg Widman, Steve Reich, Henri Dutilleux, Georg Crumb und Tristan Murail. Sie hat eine Professur für Klavier an der Hochschule für Musik und Tanz Köln inne und ist Vorsitzende der Fachkommission Klavier. Sie gibt internationale Meisterkurse in Europa, Amerika und Asien. www.florencemillet.com

Zu den Werken:

Johannes Brahms
Quartett c-Moll op. 60
für Klavier, Violine, Viola und Violoncello  (1875)
Die vielen sehr unmittelbaren Seelenregungen in der Musik von Johannes Brahms werden gern mit dem biografischen Hintergrund dieses Komponisten erklärt. Dabei hat er selbst eigene autobiografische Bezüge in seinen Werken nach Kräften geleugnet. Aber es gibt Ausnahmen – vor allem in seinem c-Moll-Quartett für Violine, Viola und Violoncello und Klavier. Seinem Verleger Simrock gegenüber bekundete er, man solle doch in der Notenausgabe ein Bild des Komponisten „im Werther-Kostüm“ abdrucken, also jener von Goethe kreierten Figur eines verzweifelten, von enttäuschter Liebe getriebenen Selbstmörders. Diese Äußerung ist im Jahr 1875 als selbstironischer Rückblick auf jene 20 Jahre zurückliegende Verliebtheit in Clara Schumann zu betrachten. Aus derselben Perspektive blickt das c-Moll Quartett opus 60 auf ein früheres cis-Moll-Quartett zurück, welches damals in der heißen Phase die ganzen lodernden Gefühle abbilden sollte. Brauchte es gerade diese abgeklärte zeitliche Distanz, um später etwas Begonnenes in Ruhe reifen zu lassen? Brahms greift in der späteren Überarbeitung unmittelbar auf die beiden ersten Sätze aus dem frühen cis-Moll Quartett zurück, baut aus ihnen aber eine neue, geschlossene, viersätzige Form. Die emotionale Wucht des Ursprungswerkes bleibt ungezähmt: Vor allem der erste Satz in erschütterndem Moll lässt in dieser Hinsicht keinen Stein auf dem anderen. Und es gewährt nicht etwa ein langsamer Mittelsatz eine Atempause, stattdessen lädt ein hämmerndes Scherzo den Gestus noch weiter ins gespenstische auf. Das Andante bringt dann -endlich! - die Lösung der aufgestauten Konflikte und schwingt sich sofort zu inniger Schönheit auf.

Das Finale strebt eine Synthese aus solchen Gegensätzen an und dies unter Heranziehung satztechnischer Finessen, was schließlich in einem Choralzitat gipfelt. Ein Happy End sucht man in diesem leidenschaftlichen Hörfilm vergeblich: Chromatisch geht es am Ende abwärts – was bleibt, ist pure Resignation!

Gideon Klein
Trio für Violine, Viola und
Violoncello (1944)
Die Kunst in Theresienstadt führte ohne überflüssige Arabesken vor, was den Leuten in dieser durch Erniedrigung und Gewalt monströs deformierten Welt so sehr fehlte, nämlich das menschliche Antlitz, das eines freien Menschen würdig gewesen wäre. Hoch über dem ästhetischen Genuss stand hier ein moralisches Ideal, das eine unschätzbare Unterstützung im Ertragen der tagtäglichen Demütigungen war. Gleichzeitig versinnbildlichte Kunst den Traum der Menschen von einem künftigen Leben in Freiheit, das alle zu erreichen hofften… Kunst wurde hier zu einer wirksamen Waffe der Unterdrückten gegen die Unterdrücker, sie wurde zu einer Art Arznei, die das Überleben ermöglichte.” Dieses Zitat des Zeitzeugen Lubomir Peduzzi bringt auf den Punkt, was vielen Menschen heute in einer medial überreizten und kommerziell übersättigten Lebenswelt ferne liegt: Nämlich Musik als musikalischen Bildungsschatz, als innere Lebensquelle und damit unzerstörbaren Reichtum zu begreifen, der gerade dann inneren Halt gibt, wenn Lebensumstände feindlich sind. Als die Nazi-Diktatur, getragen und legitimiert von einer gemütsstumpfen Masse, ganze Bevölkerungsgruppen einsperrte und ermordete, schenkte Musik vielen Betroffenen solche inneren Zufluchts-Punkte. Der junge böhmische Komponist Gideon Klein wurde 1941 nach Theresienstadt, einem Mittelding zwischen Ghetto und Konzentrationslager, deportiert. Klein traf auf Gleichgesinnte, idealistische Musiker wie Viktor Ullmann oder Pavel Haas. Im Angesicht von Drangsalierung und Todesangst entstand in Theresienstadt ein kreativer Kosmos wie kein anderer. Die Protagonisten wurden alle ermordet, geblieben sind deren kompositorische Schätze, die teilweise erst viel später öffentlich zugänglich gemacht wurden.Falsch liegt, wer jetzt bei Gideon Kleins Streichtrio aus dem Jahr 1944 lähmende Depression und düstere Larmoyanz vermutet. Dieses Werk elektrisiert vielmehr durch seine ungestüme Lebensbejahung. Gepaart mit einer hellwachen modernen Sachlichkeit, wird zugleich auf Grundlage böhmischer Volksmelodien eine Lanze für die eigene Identität gebrochen. Wie erbärmlich klein wirkt jedes rassenideologische Pathos gegen ein solch kraftvolles musikalisches Statement, das mit einem vorwärtstreibenden Sechsachteltakt im Kopfsatz furios loslegt, sich über acht vielgestaltige Variationen in einen expressiven Klagegesang hinein steigert, bevor das Finale ein weiteres mährisches Lied heran zieht. Um schließlich eine souveräne Augenhöhe mit der Schroffheit Bartóks oder dem rhythmischen Raffinement Strawinskys herzustellen.

Gideon Klein vollendete die Komposition am 7.10.1944. Neun Tage danach wurde der gerade 26jährige nach Auschwitz abtransportiert, wo er im Januar 1945 in einem Nebenlager verstarb. Unmittelbar vorher hatte Klein noch die Partitur einer Freundin anvertrauen können. Die meisten von Gideon Kleins Kompositionen erblickten erst im 1993 das Licht der Öffentlichkeit.

Erich Wolfgang Korngold
Trio für Violine, Violoncello und Klavier
Op. 1 D-Dur (1910)
Manchmal sind Wunderkinder mit noch mehr als „nur“ überragendem Talent gesegnet: Erich Korngold hatte im Alter von gerade einmal 13 Jahren nicht nur sämtliche kompositorische Hausaufgaben bereits gemacht und war bereits im Alter von 9 Jahren von Gustav Mahler zum Genie erklärt worden. Was ihn vor allem seit dem Kindesalter auszeichnete, war der visionäre Blick nach vorne!
Sein erstes Klaviertrio klingt nach allem anderen als nach Jugendwerk: Souverän verleibt es sich die Farbenpracht eines Richard Strauss ein und nimmt zugleich mit seiner widerborstigen Harmonik die Ästhetik der zweiten Wiener Schule vorweg. Hier beherrscht einer die musikalischen Mittel in „erwachsener“ künstlerischer Konsequenz. Kopfsatz und Scherzo entfalten allen lebhaften Schwung, der aber - fast schon collagenhaft-  von ruhigen, reflektierenden Passagen durchkreuzt wird. Bemerkenswert weit in die Zukunft weisen die vielen chromatischen Verflechtungen und machen die Tonalität extrem vieldeutig. Der dritte Satz setzt schließlich ein meditatives Cello-Thema über einer spärlichen Klavierbegleitung frei. Bis zum treibenden Finale am Schluss bleibt die Dramaturgie bezwingend.
Korngold wurde später zum gefeierten Opernkomponisten, dessen Bühnenwerke „Violanta“ (1916), „Das Wunder der Heliane“ (1927) und vor allem „Die tote Stadt“ (1920), den kreativen Aufbruchsgeist der 1920er Jahre abbildeten.
Die Barbarei des dritten Reiches zerstörte für aufrichtige Kulturschaffende sämtliche Lebens- und Arbeitsbedingungen, weit über Deutschland hinaus. Nach dem „Anschluss Österreichs“ emigrierte Erich Wolfgang Korngold auf Anregung Max Reinhards in die USA, wo er sich einer neuen, jungen Sache zuwandte - der Filmmusik! 1949 kehrte Korngold nach Wien zurück, aber der neu aufkommende Dogmatismus der Nachkriegs-Avantgarde waren seine Sache nicht mehr. Im Kern seines Schaffens war er doch ein empfindsamer Melodiker und Lyriker geblieben. Also emigrierte er ein zweites Mal nach Amerika, wo er 1957 in Los Angeles starb.

Stefan Pieper

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